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Filialen, Zweigapotheken, Sammelstellen und Versandhandel - Expansionsmöglichkeiten für Apotheker

Insbesondere durch die Zulassung von Filialapotheken und dem Versandhandel besteht nunmehr für den einzelnen Apotheker die Möglichkeit, sein Einzugsgebiet zu vergrößern und sein Gewerbe auszubauen. Diese Chance birgt auf der anderen Seite aber auch Risiken und schürt Ängste. So haben mahnende Äußerungen nicht lange auf sich warten lassen. Insbesondere die Sorge um das Berufsethos, die freiberufliche, am Kunden ausgerichtete Betreuung, über Qualitätsverluste und über eine angeblich zu erwartende Fusionswelle zu Lasten kleiner Apotheken, wurden in diesem Zusammenhang ins Feld geführt. Dieser Artikel dient der Versachlichung der Diskussion und zeigt die rechtlichen Möglichkeiten der Expansion einer Apotheke auf.

I. Filialapotheken

Durch das GMG ist es dem Apothekenbetreiber nunmehr erlaubt, bis zu vier öffentliche Apotheken (1 Hauptapotheke und 3 Filialen) zu betreiben. Hierzu bedarf er der Erlaubnis der zuständigen Behörde. Diese Erlaubnis ist nicht mit der Betriebserlaubnis zu verwechseln, sondern tritt neben diese.

Der Bezug auf öffentliche Apotheken bedeutet dabei, da es sich bei den Filialapotheken um voll ausgestattete Apotheken handelt, welche im Rahmen des ApoG und der ApoBetrO grds. mit den Vollapotheken gleichgestellt sind.

So muß der Apothekenbetreiber für jede Filialapotheke nachweisen, daß er über die vorgeschriebenen Räume verfügt.

Der Apothekenbetreiber muß selbstverständlich auch im Besitz der Betriebserlaubnis sein. Diese gilt dann auch für die Filialapotheken. Der Apothekenbetreiber führt dabei die Hauptapotheke selbst. Die Filialen werden von Apothekenleitern geführt, welche in einem Anstellungsverhältnis zu dem Apothekenbetreiber stehen. Hierbei ist es besonders wichtig, die Kompetenzverteilung zwischen Betreiber und Apothekenleiter in dem Anstellungsvertrag detailliert zu regeln. Die Einstellung des Apothekenleiters entbindet den Apothekenbetreiber aber nicht von seiner Verantwortung auch für die Filiale

Soweit nun Gedanken an eine deutschlandweite Ausweitung des Apothekenbetriebs aufkommen, schiebt dem § 2 Abs. 4 ApoG einen Riegel vor. Filialen dürfen hiernach nämlich nur in demselben oder benachbarten Kreis bzw. derselben oder benachbarten Stadt liegen, in der sich die Hauptapotheke befindet.

Insgesamt bieten Filialapotheken gute Chancen, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu steigern und sich gegenüber der Konkurrenz Marktanteile zu sichern. Die Risiken liegen insbesondere in der Anschubfinanzierung, welche bei schlechter Ertragslage schnell auch die finanzielle Basis der Hauptapotheke berühren kann.

II. Versandhandel

Das Arzneimittelgesetz erlaubt nunmehr auch den Versand von Arzneimitteln, wobei apotheken- und verschreibungspflichtige Arzneimittel mit umfaßt sind. In der Öffentlichkeit dürfte dabei vor allem die Diskussion über die Zulässigkeit von Versandapotheken aus dem europäischen Ausland, insbesondere den Niederlanden, bekannt sein. Der Versandhandel bietet aber auch deutschen Apothekern neue Möglichkeiten der Expansion und der Leistungserweiterung, auch wenn er bisher eher ein Nischendasein fristet.

Nicht verwechselt werden darf das Recht zum Versandhandel mit der bereits seit längerem bestehenden Möglichkeit, Arzneimittel durch Boten abzugeben. Diese Abgabe durch einen Boten ist zwar ohne Erlaubnis möglich, darf aber nur im Einzelfall erfolgen und ist somit nicht geeignet, einer Apotheke neue Versorgungsstrukturen zu eröffnen.

Der Versandhandel steht approbierten Apothekern mit Betriebserlaubnis offen, die eine öffentliche Apotheke betreiben. Neben diesen Grundvoraussetzungen bedarf es nach § 11a ApoG aber weiterer zusätzlicher Qualifikationen, die sicherstellen sollen, daß auch die Arzneimittelabgabe über den Versand denselben Qualitätsanforderungen genügt, wie in der Apotheke. So werden besondere Erfordernisse an die Verpackung und den Transport der Arzneimittel gestellt und auch bei einem Bezug über eine Versandapotheke muß dem Kunden die Möglichkeit einer kompetenten Beratung offen stehen. Grundsätzlich sollen die Arzneimittel zudem innerhalb von 2 Tagen zugesandt werden.

Diese Pflichten werden von zwielichtigen Internetanbietern gerne umgangen. Dies sollte aber nicht zur Nachahme anregen, da Qualitätsdefizite auf die Hauptapotheke zurückschlagen und abgesehen von rechtlichen Konsequenzen auch Kunden-abwanderungen zu erwarten sind.

Erforderlich ist weiterhin eine zusätzliche Erlaubnis für die Durchführung des Versandhandels. Wird ein Versandhandel ohne die erforderliche Erlaubnis durchgeführt, hat die zuständige Behörde die Apotheke zu schließen.

III. Andere Formen der Ausweitung

Neben Filialen und Versandhandel stehen dem Apotheker weitere, traditionellere Möglichkeiten offen, den Einzugsbereich seiner Apotheke zu erweitern, welche aber bei weitem nicht denselben Charme besitzen und die wirtschaftliche Potenz der Apotheke nur in geringem Rahmen steigern können.

Zum einen kann der Apotheker unter Umständen Zweigapotheken eröffnen. Diese sind auch öffentliche Apotheken, aber keine Vollapotheken. Sie müssen daher nicht über alle Betriebsräume und Einrichtungen verfügen. Die Zweigapotheke ist somit ein unselbständiger Ableger der Stammapotheke. Sie gehört dem Inhaber der Stammapotheke und wird von einem Verwalter geführt, welcher hierfür eine besondere Genehmigung benötigt. Der Betrieb von Zweigapotheken ist aber nur bei einem Notstand der Arzneimittelversorgung zulässig. Eine Zweigapotheke kann daher z.B. in schwer zugänglichen Gebieten eröffnet werden. Als Beispiel werden hier Dörfer genannt, welche nur per Wasser oder Luft zu erreichen oder im Winter von der Umwelt abgeschnitten sind. Das OVG Niedersachsen (Az. 8 ME 80/04) hat hierzu kürzlich beschlossen, daß ein solcher Notstand zwar generell auch bereits dann angenommen werden kann, wenn in einem weiten Umkreis keine Vollapotheke vorhanden ist. Zugleich hat es aber die Anforderungen an einen solchen Notstand sehr hoch angelegt, so daß ein ländliches Gebiet allein noch keinen Notstand begründet.

Schließlich besteht für den Apotheker auch noch die Möglichkeit, eine Rezeptsammelstelle zu errichten. Diese dient dazu, Verschreibungen in von der Apotheke entfernten Gebieten einzusammeln und hierdurch die Arzneimittelversorgung von Gebieten ohne eigene Vollapotheke sicherzustellen. Auch die Errichtung einer Rezeptsammelstelle bedarf der Erlaubnis der zuständigen Behörde. Diese wird nur erteilt, wenn die Sammelstelle zur ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung erforderlich ist. Die Anforderungen sind daher weniger streng als die an eine Zweigapotheke und gelten bereits als erfüllt, wenn die Entfernung zur nächsten Vollapotheke mehr als 6 km beträgt und diese durch öffentliche Verkehrsmittel nicht ausreichend erreichbar ist.

IV. Zusammenfassung

Es bleibt somit festzuhalten, daß der Apotheker durch die Errichtung von Filialen und die Teilnahme am Versandhandel die Möglichkeit hat, seinen „Gewerbebetrieb Apotheke“ unabhängig von der Notwendigkeit für die Arzneimittelversorgung zu vergrößern. Insoweit kommen hier vor allem wirtschaftliche Erwägungen zum Zuge. Diese bieten Chancen, erfordern aber auch ein gewisses unternehmerisches Risiko. Insbesondere der Versandhandel stellt in Deutschland noch eine Randerscheinung dar und kommt ohne die Gewährung von Rabatten nicht aus. Interessanter dürften daher die Filialapotheken sein. Mit ausreichenden finanziellen Reserven kann hierdurch eine nachhaltige Ausweitung des Apothekenumsatzes erreicht werden. Eine allzu große Sorge vor einer zunehmenden Kommerzialisierung des Apothekenberufes ist hierbei aber unbegründet, da auch die Filialen den apothekenrechtlichen Vorgaben genügen müssen und somit sichergestellt bleibt, daß insbesondere hinsichtlich Aufbewahrung und Abgabe von Arzneimitteln auch in Zukunft die sachgerechte Verwendung die wirtschaftlichen Interessen bedingt.

01.06.2005


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